Sabai-dii, so begrüßen die Laoten ihr Gegenüber wenn man sich trifft, und legen die Handflächen in Brusthöhe aneinander.
Der Grenzübergang, das Procedere, das Einreisevisum zu bekommen, war schon recht umständlich. Aber es hat funktioniert, nach etwa einer Stunde hatten wir ein wunderschönes Bild in unserem Pass und sind hinübergewechselt vom chinesischen Mohan in die laotische Grenzstation Boten. Man kann es nicht Stadt nennen, aber auch nicht Dorf, dazu gibt es zuviele vielstöckige Bauten. Boten scheint immer noch chinesisch zu sein, alle Geschäfte, Lokale, Massagesalons uvm. werden von den geschäftstüchtigen Menschen aus dem nördlichen Nachbarland betrieben.

Wir checken im Bodhi-Hotel ein, dem besten Haus am Platz.

Nach einigen mäßigen Quartieren und dem Wissen dass weitere solche folgen, darf das schon mal sein. Für knapp 30 Euro, nicht pro Person, sondern zu zweit! Ein Schnäppchen sozusagen.
Was sonst gleich auffällt, in Laos:
Die Internet-Zensur ist weg! Google und Co sind wieder erreichbar. Bilder können besser geladen werden usw.
Aber das Highlight: Unsere Schafkopf-App funktioniert wieder!!! Da haben wir gleich einen geklopft!
Am Morgen im letzten Hotel in Mengla haben wir einen Deutschen Radler getroffen, der von Luang Prabang heraufgekommen ist. Er hat sich schwer über die Straßenzustände beklagt, sowohl was Zustand, Staub als auch Verkehrsdichte betrifft. Das macht uns nachdenklich, klar, auf solchen Touren gibt’s immer mal wieder schlechte Passagen. Aber viele Tage lang Staub schlucken, sind keine guten Aussichten. Mal sehen, vielleicht ändern wir unseren Plan und verkürzen den laotischen Teil und fahren quer hinüber nach Nord-Thailand.
Ihr werdets erfahren…
Zuerst möchte ich allen mal Danke sagen für die Kommentare und das Interesse. Wir sehen, ihr fiebert mit und seid in Gedanken dabei. Freut uns. Ich kann nicht jeden einzeln beantworten, aber wie gesagt, freut uns.
Auf eine Anmerkung von Birgit muss ich allerdings eingehen. „Wieder in der Zivilisation…?“ Da hast du was falsch verstanden, Birgit. China ist Zivilisation, im Vergleich zu Laos! Es war nur zufällig ein tolles Hotel gleich nach dem Grenzübergang. Wahrscheinlich gebaut von und für Chinesen, wenn die rüberfahren.

Das ist Laos, hier hausen wir heute Nacht.
Doch der Reihe nach: Unser 1. Fahrtag in Laos könnte auch heißen: Chaos in Laos!
Nach dem Luxusqartier ahnten wir schon Schlimmes was den Verkehr betrifft. Die ersten 20 km, bis Nateuy sind von Hunderten LKW‘s frequentiert die aus Laos und Thailand kommen bzw hinfahren. Entsprechend sind die Straßen zerstört. Das sieht dann für Radler so aus:

Das kann ja heiter werden…

Nach 20 km teilt sich die Strasse: Nach Süden die Hauptstraße Richtung Luang Prabang und nach Westen, der kürzeste Weg nach Nord-Thailand. Eigentlich wollten wir Richtung Süden, aber 400 km über viele Berge unter diesen Umständen? Wir sind hin- und hergerissen, entscheiden uns dann für die Weststrecke. Es sieht anfangs auch nicht gut aus. Wenigstens sind geschätzt mal 2/3 der LKW‘s weg. Das eine Drittel reicht auch noch, die Straße ist auf die gesamte Strecke nach Luang Namtha sehr schlecht. Von den großen Lastern zerbröselt. Stellenweise gehts wieder aber die knapp 60 km nach Luang Namtha sind echt greislig. Irgendwann kommen wir an, vollkommen eingestaubt und durchgerüttelt. Im Kingmala Guesthouse finden wir Unterkunft, ganz in der Nähe, im Zuela Restaurant – einen Westlertreff – gibts mal wieder westlich zubereitetes Essen. Ein kleiner Trost. Auch der Austausch mit anderen Weltenbummlern aus Deutschland und Frankreich ist eine willkommene Abwechslung.

Kingmala Guesthouse in Luang Namtha, da schauen die anderen Gäste, Chinesen.
Wie gehts weiter? Wie wird die Straße sein? Ein Tourenveranstalter erzählt uns dass die schlechte Straße noch etwa 20 km weit führt. Zu unserer Überraschung war sie dann gleich viel besser, mit nur wenigen Unterbrechungen und vor allem viel weniger LKW‘s.
So kamen wir heute gut voran, bergauf, bergab, ca 1000 Hm. Der morgendliche Nebel hat sich etwa um 11 Uhr aufgelöst, dann war es ein strahlender Tag und die Landschaft sehr zu genießen.

Beeindruckende Bambuswälder.
Am Nachmittag plötzlich laute Musik aus einem Dorf… da schauen wir rein: Wir platzen in eine Hochzeitsfeier, das Essen ist schon vorbei, die Tische: ein Chaos in Laos.
Wir werden gleich zum Mittrinken aufgefordert, das Beerlao wird aus allen Richtungen gereicht. Hauptsächlich kümmern sich Betrunkene um uns… Nach dem Anstoßen mit dem Brautpaar machen wir uns wieder auf den Weg.

Ein Prosit dem Brautpaar.
Unterkünfte sind in dieser Gegend sehr rar, wir hatten nicht viel Auswahl, nur hier im Dorf Vieng Phouka, gibt es ein paar Gästehäuser. Wir checken in einer Bungalowanlage ein, vielmehr einer Ansammlung von Strohhütten.

Camp im laotischen Dschungeldorf. Auch mal romantisch!
Kaum angekommen, gesellt sich ein Schweizer Radler zu uns bzw. bezieht das Häusl nebenan. Rene kommt aus der Gegenrichtung und so tauschen wir uns über bevorstehende Wegstrecken uvm. aus.
26.01.: Weiter geht’s!
Die Hüttennacht war so so… gefühlt sind die Trucks mitten durch unsere Behausung gedonnert, bis spät in die Nacht. Kaum war auf der Straße Ruhe fingen die Gockel an…. Natur pur, eben.
Gemeinsames Frühstücken mit René, die Wirtin war ganz nett und bemüht, jeder bekam eine Plastiktüte Klebereis und einen Rührei. Dann Abschied von René, er zieht weiter ostwärts, wir in die Gegenrichtung.
Dann kams dick daher, für diesen Tag: Nach nur 15 km zuerst ein Platten, dann eine Durchfallattacke und Getriebeprobleme bei meinem Rad. Der Spaß hatte plötzlich ein Loch! Wir quälten uns noch einige km weiter und waren uns dann einig, für heute Erleichterung in Anspruch zu nehmen (Achtung, Golferausdruck). Unsere Versuche, jemanden anzuhalten, gingen alle schief. Also Taktik ändern. Wo immer ein geeigneter Kleinlaster mit Pritsche vor der Haustür stand, haben wir nach dem Besitzer gesucht und um eine Beförderung gebeten. Das ging dann relativ flott, na ja, kein Wunder wenn man mit Millionenbündel wedelt.

Ich kann’s noch!
Da muss ich was zur Währung dazwischenschieben. Der Kurs zum Euro liegt bei 1:25.000. Eine Million Lak sind gerade mal 40 Euro. Da ist man nicht wirklich reich wenn man ein paar Milliönchen aus dem Automaten zieht. Aber die Automaten gibt’s an jeder Ecke (in größeren Orten natürlich), und sie funktionieren auch.
Nachdem wir die letzte Nacht kaum geschlafen hatten und uns die Tagesereignisse etwas demoralisiert hatten, zudem schon mal im LKW saßen, haben wir uns etwa 60 km fahren lassen und dann selbst noch 35 drangehängt. So war es ein 1+1-Tag und wir kamen am späten Nachmittag doch noch eigenständig nach Houayxay, der Grenzstadt zu Thailand und Startort für viele Bootsfahrten auf dem Mekong.
Direkt am Schiffsanleger fanden wir ein geeignetes Hotel, mit Sonne auf dem Bauch und einem guten Standort das rege Treiben an und auf den Schiffen zu beobachten.

Schiffsanleger am Mekong bei Houayxay.

Den geschenkten Tag nutzen wir dann als – insgesamt erst zweiten – Ruhetag zum Rumschauen und Ausruhen.

Ein Tempel über dem Mekong.
Die Kneipen hier sind voll von Touris aus aller Welt und allen Altersgruppen. Am Morgen stiegen sie dann in Karawanen und vollbepackt mit Rucksäcken auf die Schiffe… und ab nach Luang Prabang, der wichtigsten Stadt in Zentral-Laos.
Wir verwerfen auch diese – als Alternative überlegte – Variante, aufgrund der mehrfach gehörten Infos über schlechte Straßen und LKW-Fluten. Morgen geht’s hinüber nach Thailand, Laos war kürzer als geplant, aber wie heißt das Zitat von Eisenhower? „Planning is everything, the plan is nothing“. Uns gehts darum die Räder gut rollen zu lassen.
Noch eine Anmerkung für Christoph, den Geografen: Die Route über Thailand ist nicht kürzer, aber etwas einfacher, weniger Höhenmeter. Aber wir fühlen uns schon viel wohler, es gibt nette Lokale, die Verständigung ist einfacher und es hat einfach eine bessere Infrastruktur zum Reisen.
Also, auf nach Thailand…. Nächster Unterpunkt im Menü.

Ihr Lieben beide,
zunächst staunen wir, dass Ihr noch soviel Zeiit zum Aufschreiben Eurer Reiseerlebnisse habt – und dann noch in so einem spannenden und humoristischen Stil, so dass man sich selbst fast in Eure Lage versetzen kann.
Wir bewundern nach wie vor Euren Enthousiasmus und wünschen Euch, dass Ihr nach Kulturschock, staubigen Strassen, schwierigen hygienischen Verhältnissen, Fahhradpannen und dem wunden Hintern noch ein interessantes Thaiiland erleben dürft und aufgefüllt mit schönen, unvergesslichen Erlebnissen eine glückliche Heimreise antreten könnt!
Mit herzlichen Grüssen von Renate und Ulla , dien beiden Stubenhockern
Leider nur kurze Zeit in der Lao PDR. Wunderschöne Mekongbilder. die uns an unsere damalige Flussfahrt erinnern.
Ein „mixed bag“ an Erfahrungen, aber das gehört bei so einem ambitionierten Unternehmen dazu.
Vieile schöne Erlebnisse und Begegnungen in Thailand. Auf der verkürzten Route mehr Ruhetage?
Bleibt gesund und fit
Christoph d.
Hallo, ihr 2! Wir freuen uns immer über eure Abenteuer und tollen Bilder und wünschen euch, dass sich die Räder gut rollen lassen und euch keine Platten aufhalten., obwohl Christoph die Reparatur sicher schnell und meisterhaft beherrscht. Habt eine gute Zeit in Thailand mit angenehmen Straßen, schönen Unterkünften und interessanten Begegnungen (vielleicht wieder auf einer Hochzeit, wo auch noch etwas zu essen übrig ist). Danke für das spannende Reisetagebuch und liebe Grüße
Birgit und Wolfgang
Servus ihr beiden Staubfänger,
Laos scheint ja harter Tobak gewesen zu sein, aber ich glaube , ab jetzt wirdˋs wieder deutlich besser. Einige Orte in Südchina sind uns ja bekannt durch euch. Da kamen wieder alte wunderschöne Erinnerungen hoch.
Wir wünschen euch ab jetzt eine abwechslungsreiche staubarme Strecke mit schönen Unterkünften und gutem Essen.
Wir genießen natürlich eure spannenden Schilderungen und interressanten tollen Bilder!
Bleibt‘s g‘sund und pannenfrei !
Liebe Grüße
Udo& Swany